Begründung der Entscheidung des Landesvorstands des Bundes der Jugend der deutschen Minderheit in der Republik Polen vom 21. November 2019

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  • Begründung der Entscheidung des Landesvorstands des Bundes der Jugend der deutschen Minderheit in der Republik Polen vom 21. November 2019
  • Hinzugefügt: 22 November 2019

  • Anlage Nr. 1 zur Resolution 4/1019

     

    Begründung der Entscheidung des Landesvorstands des

    Bundes der Jugend der deutschen Minderheit in der Republik Polen vom 21. November 2019

     

    Am 17. November 2019 fand auf dem Friedhof in Beuthen eine Veranstaltung zum Gedenken an die deutschen Kriegsopfer statt, bei der ein Gedenkstein errichtet wurde. Veranstalter dieses Vorhabens gilt die lokale Ortsgruppe des Bundes der Jugend der Deutschen Minderheit in Beuthen sein. Bilder von dieser Veranstaltung wurden auf der Facebook-Seite "Deutsche Minderheit in Bytom" (als Anhang zur Begründung) sowie in einzelnen Medien in Polen und Deutschland veröffentlicht. Unter den Initiatoren der Aktion wurden auf dem Gedenkstein der Herr Marek Tylikowski und der "BJDM Beuthen" festgehalten sowie als Sponsoren der Bundestagsabgeordnete der AfD Stephan Protschka, die Jugendorganisation der AfD " Junge Alternative" aus Berlin und - wie von den Medien (" Tagesspiegel","TAZ") berichtet - auch die Jugendbewegung der rechtsextremen NPD "Junge Nationalisten". Auf dem Stein befand sich des Weiteren der Name der Burschenschaft "Markomannia Wien zu Deggendorf ", die vom deutschen Verfassungsschutz beobachtet wird.

     

    Die Ereignisse im Zusammenhang mit der Errichtung des Gedenksteins für Kriegsopfer in Beuthen löste nicht nur im Bund der Jugend der Deutschen Minderheit, sondern in den Organisationen der Deutschen Minderheit in Polen eine schwere Imagekrise aus. Wie bereits in der Erklärung des Landesvorstands des BJDM am 19. November 2019 erklärt wurde die Idee der Errichtung eines solchen Gedenksteins durch den Herrn Marek Tylikowski in keiner Weise dem Landesvorstand des Bundes der Jugend der Deutschen Minderheit gegenüber erwähnt, vorgetragen oder gar abgesprochen, weshalb sie dem Landesvorstand gänzlich unbekannt war. Es wurde niemals die Erlaubnis erteilt, den Namen unserer Vereinigung BJDM zu verwenden.

    Daher war es notwendig, eine feste Entscheidung auf der Grundlage von § 16 in Verbindung mit § 15 Nummer 4 der Satzung des Bundes der Jugend der Deutschen Minderheit zu treffen:
      

     

    §16
    Die Entscheidung über den Ausschluss eines Mitglieds trifft der Landesvorstands der Organisation auf Antrag der lokalen Gruppe oder von sich aus nach Anhörung der lokalen Gruppe. Ein Aufruf zum Ausschluss wird vom Delegiertenrat der Union des Bundes angenommen.

     

    §15
    Der Verlust der Mitgliedschaft im Bund der Jugend der Deutschen Minderheit ist die Folge von:

    (...)

    4. Ausschluss eines Mitglieds aus dem Bund aufgrund eines groben Verstoßes gegen das Statut, Resolutionen, Verordnungen oder andere Entscheidungen der Organe des Bundes oder aufgrund von Handlungen, die sich nachteilig und zu seinem Schaden auswirken.

     

    Der Vorstand hat keinerlei Zweifel, korrekt gehandelt zu haben oder dass durch ihn Bestimmungen des Statuts verletzt wurden, insbesondere der in §5 Abs. 2, 8, 17, 18 aufgeführten Ziele der Geschäftstätigkeit.

    Es wurde festgestellt, dass Herr Marek Tylikowski nicht nur mit Organisationen, die auf dem Gedenkstein stehen, kooperierte und den Kontakt zu ihnen pflegte, sondern auch Mitglied der Jugendpartei "Alternative für Deutschland" war. Diese Partei gilt als rechtsextrem und nationalistisch, häufig unter Verwendung von Hassrede. Die Äußerungen ihrer Politiker, in denen sie sich oft nicht von der NS-Zeit nicht klar abgrenzen, sie loben und zum Hass gegen Flüchtlinge, Einwanderer und andere ausgeschlossene soziale Gruppen aufrufen, sind weithin bekannt und stossen in Deutschland und Europa auf erhebliche Kontroversen.

     

    Nach Ansicht des Landesvorstands des BJDM ist es unmöglich, die Zusammenarbeit mit und die Mitgliedschaft in den rechtsextremen und nationalistischen Organisationen mit der Umsetzung der im Statut festgelegten Ziele in Einklang zu bringen, d. h. Aufbau, Ausbau, Stärkung und Unterstützung freundschaftlicher Beziehungen der Jugend der Deutschen Minderheit zu anderen sozialen Gruppen; die Aktivitäten zur sozialen Integration von Menschen, die von sozialer Ausgrenzung bedroht sind; Förderung und Schutz von Menschenrechten sowie bürgerlichen Freiheiten sowie Aktivitäten zur Förderung der Entwicklung der Demokratie; Aktivitäten zur europäischen Integration und Entwicklung von Kontakten und Zusammenarbeit zwischen Gesellschaften, insbesondere in den deutsch-polnischen Beziehungen.

     

    Wir gehen davon aus, dass der Nationalismus in all seinen Formen eine starke Verurteilung erfordert und dass alle seine Erscheinungsformen vom Vorstand streng bestraft werden sollten. Im BJDM ist kein Platz für Ansichten, die die Organisation von der Erreichung ihrer Ziele ablenken und den Aktivitäten des Bundes und der gesamten Organisationen der deutschen Minderheit in Polen schadet. Grundprinzipien wie die politische Neutralität des Bundes wurden durch Herrn Tylikowski ebenfalls beschädigt.

    Es besteht kein Zweifel daran, dass Herr Marek Tylikowski als Mitglied des BJDM in der Republik Polen und gleichzeitig als Sekretär des Landesvorstands mit besonderer Verpflichtung und Sorgfalt alle Ziele der Union hätte erreichen sollen und die Bestimmungen des Statuts gewissenhaft einzuhalten gehabt hätte. Als aktives Mitglied unserer Organisation muss er sich bewusst gewesen sein, dass die Arbeit mit radikalen, rechtsextremen und nationalistischen Organisationen im Widerspruch zu den in unserer Organisation allgemein anerkannten Prinzipien steht.

     

    Es wäre unangemessen, das Verhalten von Herrn Marek Tylikowski wegen seiner Minderjährigkeit und Unerfahrenheit zu rechtfertigen. Der Bund der Jugend der Deutschen Minderheit in der Republik Polen ist eine Jugendorganisation und es ist schwierig, jungen Führungskräften die Möglichkeit zu nehmen, unabhängig zu handeln, Entscheidungen zu treffen und damit Verantwortung zu Übernehmen. Herr Marek Tylikowski, der im kommenden Jahr sein Abitur ablegen wird, hat bereits einige Erfahrungen in den Organisationen der deutschen Minderheit in Polen gesammelt. Er engagierte sich nicht nur im BJDM in Polen, sondern auch in der SKGD der schlesischen Woiwodschaft (DFK Schlesien). Durch die Ausübung verschiedener Rollen und Funktionen - auch bezahlt und hauptberuflich - sammelte er Erfahrung und einschlägiges Wissen in den Aktivitäten der Organisationen. Seine Haltung sollte ein warnendes Beispiel für alle Mitglieder der Organisationen sein, nicht aber der Weg zur Verleugnung und ein Grund zur Scham, der deutschen Minderheit anzugehören. Herr Marek Tylikowski verfügt unserer Meinung nach auch über ausreichende historische und politische Kenntnisse, er ist in der aktuellen deutschen politischen Szene sehr versiert und sollte wissen, welche Art von Anschuldigungen die öffentliche Meinung gegen die AfD und andere Organisationen formuliert, mit denen er zusammenarbeitet oder deren Mitglied er ist.

    Herr Marek Tylikowski im Namen unserer Organisation der mangelnden Autorität und der Überschreitung seiner Kompetenzen voll bewusst. Die Gespräche mit den Mitgliedern des Kreises Beuthen zeigen auch, dass er mit Manipulationstechniken seine Ziele erreicht hat und ohne Rücksprache selbstständig Entscheidungen getroffen hat.

     

    Nach Ansicht des Landesvorstands ist es verboten, das Verhalten von Herrn Marek Tylikowski durch Treue und Glauben zu rechtfertigen, nur um der gefallenen Soldaten mit Würde zu gedenken. Dieses scheinbar patriotische Ereignis wurde zum Ausdruck der eigenen Ambitionen, nationalistischen Ansichten und Handlungen zum Nachteil des Bundes der Jugend der Deutschen Minderheit. Wie Erzbischof A. Nossol in einem seiner Interviews sagte, wird es in der deutschen Minderheit oft so erwähnt: "Patriotismus muss immer eine Form der Liebe sein, nicht des Hasses." Deshalb können wir das Vorgehen des BJDM gegenüber Bytom und dem Vorsitzenden der Ortsgruppe dort, Marek Tylikowski, nicht mit guten Absichten und Zielen rechtfertigen, denn wir sind der Meinung, dass selbst das schönste und rechtschaffenste Ziel diese Mittel nicht heiligt.

    Der Fall stieß auf großes Medieninteresse und erforderte konkrete Entscheidungen des Vorstands. Die Maßnahmen, die Marek Tylikowski in den letzten Jahren ergriffen hat, haben sich in den Augen der polnischen und deutschen Öffentlichkeit negativ auf das Image der Jugend der Deutschen Minderheit, aller Mitglieder des BJDM und der gesamten deutschen Gemeinschaft in Polen ausgewirkt und zu vielen Schwierigkeiten in der laufenden Arbeit des Jugendverbands geführt. Daher erforderte der Fall schnelle und entschlossene Entscheidungen des Landesvorstands, die von unserer Gemeinschaft begründet und erwartet wurden, so dass wir die Möglichkeit einer weiteren Zusammenarbeit mit Herrn Marek Tylikowski nicht sehen.

     

    Der Landesvorstand beurteilte auch, dass die gesetzlichen Voraussetzungen für den Ausschluss von Herrn Marek Tylikowski aus der Organisation des BJDM erfüllt sind. Die Grundprinzipien für das Funktionieren unserer Organisation wurden gebrochen, wie z. B. der politischen Neutralität, der Pflege prosozialer und prodemokratischer Einstellungen, Achtung aller sozialen Gruppen und Minderheiten, Achtung der Menschenrechte, Toleranz, Akzeptanz und Sorge um die Pflege der deutsch-polnischen Beziehungen. Die Aktivitäten von Herrn Marek Tylikowski waren schädlich und haben den Jugendverband der Schaffung eines negativen Images in der Öffentlichkeit ausgesetzt. Der Ausschluss von Herrn Marek Tylikowski ist auch eine Folge früherer Probleme, Konflikte und der Nichtbeachtung der Empfehlungen der Vorstandsmitglieder des BJDM.